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Naturkatastrophe Klimawandel
RIAN CASSEY / AFP / picturedesk.com
Von Daniel Nutz
Versicherungen im Klima-Sturm: Herausforderungen, Strategien, Transformation
2023 bringt eine Welle von Naturkatastrophen, Munich Re meldet Milliardenschäden. Wie sichert sich die Versicherungsbranche ab und welche nachhaltigen Strategien verfolgen Versicherer?
Dezember 2023
ist Mitglied des Vorstands der Uniqa Insurance Group AG und verantwortet die Bereiche Finanz- und Risikomanagement.
ist Head of Sustainability Services bei Deloitte Schweiz.

Erdbeben, Überschwemmungen, Waldbrände – 2023 war ein Jahr der Naturkatastrophen. Nicht alle sind auf den fortschreitenden Klimawandel zurückzuführen, doch ein Zusammenhang aus Erderwärmung und Schäden lässt sich längst empirisch belegen. So berichtet der weltgrößte Rückversicherer Munich Re im ersten Halbjahr 2023 von einer Schadenssumme aus Unwettern und Naturkatastrophen von 110 Milliarden US-Dollar. Das ist zwar etwas weniger als 2022 – wo über das ganze Jahr gesehen ein Schaden von 275 Milliarden US-Dollar entstand – aber der Trend der vergangenen zehn Jahre sagt ganz klar: Die Erderwärmung führt zu mehr Schäden. Der World Property and Casualty Insurance Report der Beratungsunternehmen Capgemini und Qorus weist einen 3,6-fachen Schaden bei versicherten Werten durch Naturkatastrophen in den letzten 30 Jahren aus.

Versicherungen im Klima-Sturm: Herausforderungen, Strategien, Transformation

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Klimaschäden nehmen zu

Dies ist der Grund, weshalb bei der im Dezember 2023 abgehaltenen Weltklimakonferenz Cop 28 in Dubai ein Schwerpunkt auf finanzieller Unterstützung für jene Schwellenländer lag, die vom Klimawandel besonders betroffen sind. Auch in der Versicherungsbranche glühen die Köpfe. Nur etwa 40 Prozent der Schäden aus Unwettern und Naturkatastrophen sind versichert. Aber sowohl die Prämien als auch die Leistungen der Assekuranzen steigen.

Im aktuellen Climate Action Podcast von Börsianer Grün bestätigt Kurt Svoboda, Risikovorstand der Uniqa Insurance Group AG, diese Zahlen. „Wir prognostizieren, dass Unwetterschäden mehr werden und zeitgleich die Schäden durch Naturkatastrophen wie beispielsweise Erdbeben zumindest gleich bleiben. Dabei haben wir den Einfluss des Klimawandels zu verzeichnen.“

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zitat
Mit ihren Verbindungen in allen Branchen haben Versicherungsunternehmen die Möglichkeit, Anreize für nachhaltige Geschäftspraktiken zu setzen und verantwortungsvolles Verhalten ihrer Kundschaft zu fördern.
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Marcel Meyer, Deloitte Schweiz

Konkret stellt sich die Frage: Kann man solche Risiken überhaupt noch versichern? Die Reaktion der Versicherungsunternehmen auf höhere erwartbare Schäden ist im ersten Schritt die Erhöhung der Versicherungsprämien oder die Einschränkung der Schadensdeckung. In den USA gibt es bereits erste Regionen, aus denen sich Versicherer hinsichtlich der Versicherung von Natureinflüssen zurückziehen. So geschehen in Kalifornien, das zuletzt durch enorme Waldbrände getroffen wurde. Auch in Florida werden Versicherer aufgrund der rapide steigenden Hochwassergefahr vorsichtig. Dort rechnet man in den kommenden Jahren sogar mit einer Verdoppelung der Kosten für Überschwemmungsversicherungen. Verhältnismäßig moderater dazu sind derzeit die Schäden in Zentraleuropa. Doch auch hier gibt es Häufungen. So führten Beispielsweise die Unwetter in Österreich dazu, dass der Dachverband der Versicherungen eine Anpassung bei den rechtlichen Rahmenbedingungen bei den diesbezüglichen Versicherungen fordert. Bei der finanziellen Behebung von Schäden geht immer weniger ohne den Staat. Dazu Svoboda: „Es wird nicht anders funktionieren als eine gemeinschaftliche Herangehensweise von Gebietskörperschaften, vom Staat und auch der Privatwirtschaft erfolgt.” Aus Versicherungssicht wäre es sinnvoll, Klimarisiken in den Feuerschutz zu inkludieren.

zahlen und fakten

Zahlen & Fakten

6.8

zahlen und fakten
Milliarden US-Dollar beträgt die weltweite Prämienhöhe der Versicherungswirtschaft.

Versicherungen sind gefordert

Schutz vor Klimarisiken ist das eine. Die Eindämmung des Klimawandels der andere notwendige Ansatz. Und dabei haben die Assekuranzen beträchtliche Hebel in den Händen. „Die Versicherungsbranche kann bei der Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft eine führende Rolle spielen – lesen Sie mehr dazu hier. Mit ihren Verbindungen in allen Branchen haben Versicherungsunternehmen die Möglichkeit, Anreize für nachhaltige Geschäftspraktiken zu setzen und verantwortungsvolles Verhalten ihrer Kundschaft zu fördern”, sagt Marcel Meyer, Head of Sustainability Services bei Deloitte Schweiz. Sein Unternehmen hat im Herbst 2022 gemeinsam mit dem WWF einen Bericht veröffentlicht, der aufzeigt, welche Möglichkeiten Versicherungsunternehmen haben, um negative Umweltauswirkungen zu verringern und als Katalysator für die grüne Transformation zu fungieren. Meyer meint: Rasche Maßnahmen in Bezug auf Klimaschutz und Biodiversität seien angesichts der drohenden Unversicherbarkeit im besten Interesse der Versicherungsunternehmen. Aus dem Bericht ergeben sich einige Schlussfolgerungen, wie Versicherungsunternehmen und deren Kunden gemeinsam die Klimaziele verfolgen können.

Wohin mit dem Geld?

Auf fast acht Billionen US-Dollar belaufen sich die Bruttoprämien aus dem Sektor weltweit. Große Versicherer oder Rückversicherer wie Zurich, Munich Re, Helvetia, VIG, Allianz oder Swiss Re haben begonnen, Umweltaspekte in ihre Geschäftsstrategien einzubeziehen. Auch die in Wien ansässige und in Zentral- und Osteuropa tätige Uniqa Insurance Group AG hat nicht zuletzt begonnen, ihre Anlagestrategie auf ESG-Kriterien umzustellen. Kurt Svoboda: „Wir haben 2019 beschlossen, aus Kohle auszusteigen. 2030 sind wir aus Öl draußen und 2035 aus Gas.” Diese Ziele decken sich mit vielen aus der Branche und werden letztlich durch den EU-Green Deal und seine Verordnungen vorgegeben. Wie nachhaltig die Veranlagung ist, hängt nicht zuletzt an Ratings und Daten aus den Unternehmen, in die investiert werden soll. Greenwashing ist hier ein Thema. Wie verhindert man das? Daten sind der Schlüssel. „Wir brauchen realistische Ziele, die auch erreichbar sind. Sonst sind wir nicht glaubwürdig, und es bringt auch der Nachhaltigkeit nichts”, sagt Svoboda. Das Geschäft von Assekuranzen fußt letztlich auf Nachhaltigkeit: Viele Kleine schultern gemeinsam große Risiken. Dieses Urprinzip der Versicherung funktioniert nur dann, wenn alle ihren Teil dazu beitragen. Einige Versicherer gehen bereits mit gutem Beispiel voran. Welche Maßnahmen diese setzen, zeigt ein Report des Beratungsunternehmens Capgemini. 82 Prozent der Versicherungsunternehmen mit Klimafokus haben bereits einen Nachhaltigkeitsbeauftragten – im Branchendurchschnitt sei das hingegen nur bei 52 Prozent der Unternehmen der Fall. 77 Prozent dieser Vorreiter haben Daten zu Klimarisiken in ihre Produkte und Services integriert. Außerdem setzen 53 Prozent auf Datenquellen wie Satellitendaten, Remote-Sensoren, Wetterstationen, Geodaten oder ESG-Modelle. Kommendes Jahr verschärfen sich die EU-Berichtspflichten für Nachhaltigkeit. Damit dürfte ein nächster Schritt getan werden.

Meine Grüne Rendite

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Temperaturausschläge, Starkregen, Wirbelstürme oder Dürren führen zu einer Vervielfachung der Schäden und folglich auch Kosten der Versicherer. Die grüne Transformation der Assekuranzen hat begonnen. Allerdings bleiben laut einer Deloitte-Studie die erfolgten Maßnahmen hinter den erforderlichen zurück.
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